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Als Herr Johann von Ahlfeld also am Raimundsfeld seine Truppen sammelte, da verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer. Hoch nach Derfurt, runter bis Merten, ja selbst ins Aldland drang die Kunde; überall war man gewiss, dass den Ismithen auf der Insel schon bald ihr Stündlein schlagen werde.
Nur in Edbrandt, am Hofe des aldländischen Kurfürsten Eberhardt, da war man sich dieser Sache nicht so sicher. Hierhin war Konrad von Schragen zurückgekehrt, nachdem er dem Herrn von Ahlfeld mit eisernen Nerven inmitten feindlicher Truppen die Fehde aufgesagt hatte. Obwohl ihn dort ein einzelner Pfeil das Leben hätte kosten können, war er zwischen die Soldaten seines Gegners getreten, hatte ihnen allen die Feindschaft erklärt, und schließlich seinen Fehdebrief vor aller Augen an die Palisade genagelt. Strotzend vor Selbstsicherheit und gepanzert mit politischen Ränken konnte keiner der Anwesenden das Leben des einstmals Geächteten gefährden, ohne das eigene einer ebenso tödlichen Gefahr auszusetzen.
Als Herr Konrad also ins Aldland zurückkehrte, da konnte er seinem Herrn in Edbrandt einen Erfolg verkünden. Seine Gefolgsleute hatten reiche Beute gemacht: Die feindliche Soldkassette hatten sie erobert, die Höfe und Mühlen des Ahlfelder Lehens mit Raub und Brand überzogen und schließlich sogar das Korn des Herrn Johann niedergeritten. Konrad von Schragen hatte seinem Namen als Landplackerer alle Ehre gemacht.
Herr von Ahlfeld ließ sich dadurch jedoch nicht aufhalten. Zielstrebig hieß er seine Leute aufrüsten und zog mit ihnen ins Feld. Nach Norden ging es, in die heimischen Ländereien, um der Plackerei des Schrageners ein Ende zu setzen. Zwar brannten die Männer und Frauen darauf, endlich Meeresluft zu schnuppern, damit sie der vielbesungenen Insel auch einmal ansichtig wurden. Aber jeder leidlich erfahrene Söldner wusste, dass diese Landung nur mit Unterstützung aus dem Hinterland möglich war. Und so jagte Ahlfelds Haufen die Plünderer aus dem Aldland durch die heimischen Wälder und Auen.
Aber Herr Konrad war ein gerissener Gegner. Kaum hatte er seine Schergen ins Ahlfeld geschickt, kaum hatte er das Korn niederreiten, die Mühlen und Höfe anzünden und die Bauern mit Krieg überziehen lassen, da sah man ihn nirgends mehr. Getürmt war er, über die Raimundsbrücke, stracks ins Edbrandter Land. Und obwohl es Herrn Johann drängte, dem Übeltäter hinterher zu jagen, so konnte er aber mit einem waffenstarrenden Haufen nicht einfach ins Aldland ziehen, denn so wäre es um den noch jungfräulichen Frieden zwischen den beiden Königreichen schnell geschehen gewesen. Sicher, er hätte Hohe Anklage in der aldländischen Kurie erheben oder seinen Herrn König um Hilfe bitten können, aber all das kostete Zeit. Und Zeit hatte der Herr Johann von Ahlfeld nicht. Denn seine Truppen waren ohne Sold, und obwohl sie anfangs noch mit Feuereifer ins Manöver gezogen waren, erhob sich langsam ein Murren, das mit jedem Tag lauter wurde.
Fieberhaft arbeitete man an einer Lösung. Der Pfarrer von St. Raimund belieh seine Pfründe, Herr Borgil schickte nach Geld in sein vadisches Lehen und kurz überlegte man, sich den Sold von der Lintzer Kaufmannschaft zu leihen. Diese hatten nämlich in der Vergangenheit ebenfalls einen Strauß mit dem Herrn von Schragen ausgefochten. Herr Ludwig von Eichenau schlug gar vor, die Truppen aus eigener Soldkasse gen Langesand zu führen. Aber nichts von alledem ließ sich in so kurzer Zeit bewerkstelligen.
Als zwei Kriegsknechte noch über Nacht mit den letzten Pfennigen in der Kasse verschwanden, da konnte der Ritter nicht einmal mehr seine Hauptleute bezahlen. Und so blieb ihm schließlich nur der letzte, unweigerliche Schritt. Am dritten Tag des Eldacatiusmondes, dem Tage des Heiligen Eckhardt, trat Herr Johann ein letztes Mal vor seine Truppen, zerschnitt vor aller Augen seinen leeren Beutel und entließ sein Heer aus dem Dienst. Der heilige Kirchzug, der vor zwei Wochen mit knatternden Fahnen, klirrenden Waffen und lauten Schwüren am Raimundsfels begann, wurde hier, auf verbrannten Feld und inmitten von rauchenden Ruinen auf die unrühmlichste aller Arten beendet.
Die Kriegsknechte und Wehrmägde zogen unverrichteter Dinge ihres Weges. Einige Haufen marodierten im geschundenen Lehen des Ritters umher, um ihren ausgebliebenen Sold wenigstens auf andere Weise einzustreichen. So hatte des Königs Marschall alle Hände voll zu tun, um weiteres Übel vom Land und seinen Bewohnern fernzuhalten.
Schließlich aber machte sich Herr Johann auf, und reiste an den Hof des Königs. Schuldgebeugt und gebrochenen Herzens trat er vor seinen Herrn und gab mit eiserner Miene das heilige Banner zurück, dass ihm noch vor wenigen Wochen unter allfälligem Jubel überreicht worden war. Aber der junge König Philipp war weise, und so hieß er seinen tapferen Ritter aufstehen und schandlos weiterziehen.
Herr Johann von Ahlfeld aber trug an der Schuld schwer. Mühsam baute er sein Lehen wieder auf, kratzte aus vielen Ecken Geld zusammen und stiftete schließlich der Kirche des Herrn Rafael ein Gemälde. Für den Hochaltar von St. Raimund mit dem Stabe ließ Herr Johann eine Malerei anfertigen, auf dem das Martyrium des Heiligen Grovius in bildlicher Weise nachempfunden wurde. Umringt von seinen Peinigern kniete da der Heilige, während sein Henker drohend über ihm die Klinge schwang. Und wer nun im frommen Gebet vor dem Altar niederkniet, wer dann ganz ergriffen seinen Blick erhebt, der erkennt vielleicht den gegabelten Bart des Henkers, und der kann vielleicht im Antlitz des Heiligen das Gesicht jenes Ritters erkennen, der einst versuchte, das Grab des Grovius den Gläubigen zurückzugeben.
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